Die Basis von Verkehr '45 wackelt immer stärker – das ist kein gutes Zeichen. 🌩️ 🚦
Als das ETH-Gutachten zu "Verkehr '45" erschien, war die Begeisterung in den Medien gross: endlich jemand, der Ordnung ins Chaos bringt. Ich habe damals in Vorträgen und Medienartikeln fachlich dazu Stellung genommen und war skeptisch. Inzwischen zerpflücken die Eidgenössische Finanzkontrolle und mehrere Kantonsregierungen das Vorgehen des Bundes. Die Einschätzungen decken sich weitgehend mit meiner.
Drei Punkte stören mich besonders:
➡️ Das Mandat war für die Tragweite viel zu knapp bemessen. 150'000 Franken ohne Peer Review. Auf dieser Basis wurde ein Portfolio von über 100 Milliarden Franken bewertet.
➡️ Die Bewertungsmethodik hält der Prüfung nicht stand. Teile der Beurteilung sind qualitativ und nicht reproduzierbar, zentrale Kennwerte stammen aus Normen, die völlig veraltet sind.
➡️Die Netzbetrachtung fehlt weitgehend. Verkehrsinfrastruktur funktioniert als System. Wenn Abhängigkeiten zwischen Projekten kaum gewichtet werden, priorisiert man Puzzleteile statt ein Bild.
Die EFK forderte den Bundesrat auf, das Projekt auszusetzen, bis die wichtigsten Fragen geklärt sind. Für eine Hochschule vom Format der ETH ist das eine ziemliche Klatsche. Und mir ist bis heute schleierhaft, wie sich die Hochschule auf ein so eng geschnürtes Mandat einlassen konnte.
Bei den Kantonen tönt es ähnlich. Zürich verlangt eine grundsätzliche Überarbeitung der Vorlage und kritisiert, dass Projekte mit schlechtem Kosten-Nutzen-Verhältnis realisiert werden sollen, während anderes mit klar belegtem Nutzen wegfällt. Aus der Westschweiz kam eine Stellungnahme von sieben Kantonen zusammen: Der Bund mische die Planung auf, ohne die verfügbaren Mittel und die Angebotsziele mitzudenken. Gefordert wird ein Angebotskonzept für die ganze Schweiz.
Genau hier liegt der Kern begraben. Richtig priorisieren kann man erst, wenn klar ist, worauf man hinaus will. Diese Reihenfolge wurde hier umgedreht.
Je länger daran festgehalten wird, desto grösser wird das Schlamassel. Statt dem Befreiungsschlag hat Verkehr '45 die Unsicherheit jetzt noch vergrössert.
