Es ging um die Rekordfliegerei ab Kloten. Diskutiert wurde dann über Rinder, Avocados und das WEF. Ein Text als Lehrstunde, weshalb wir bei dem Thema nicht weiter kommen 🛫 📢
Der Anlass ist schnell erzählt: nächster Flugrekord in Kloten, während in der Stadt Zürich fünf der sechs heissesten Tagen seit Messbeginn erfasst wurden. Die durchschnittliche Stadtzürcherin flog 2024 10’500 Kilometer. Einmal Dubai und zurück, 3,2 Tonnen CO2. Anderthalbmal so viel wie alles, was innerhalb von Zürich sonst noch anfällt: Heizungen, Autos, Busse, Strom.
Die Reaktionen darauf folgen fast alle demselben Muster: Kognitive Dissonanz. Das heisst, dass man die eigene Verantwortung abschiebt. Oder deutlicher: Eine billige Ausrede erfindet. Die Klassiker darunter:
➡️ Systemkritik: “Statt die Verantwortung ans Individuum abzutreten, muss die Politik handeln.” Fakt: Das ist keine falsche Aussage, aber nur weil sich die Politik um die Verantwortung drückt, nimmt es das Individuum nicht auch aus der Pflicht. Klimaschutz braucht alle.
➡️ Privatjets: “Bevor sich die einfache Bevölkerung einschränken soll, müssen die Privatjets und Businessfliegerei einschränken.” Fakt: Sämtliche Privatjets der Welt zusammen kommen auf rund zwei Prozent der Flugemissionen.
➡️ Avocado: “Zuerst mal aufhören, Avocados aus Peru zu essen.” Avocados kommen per Schiff, nicht per Flugzeug, und liegen bei etwa 0,85 kg CO2 pro Kilo. Die 3,2 Tonnen, die eine durchschnittliche Stadtzürcherin jährlich erfliegt, entsprechen knapp 20’000 Avocados. Wer die in einem Jahr schafft, darf sich melden.
➡️ Die kleine Schweiz: “Wir sind zu klein, um etwas zu bewirken. Schau lieber nach China.” Klein ist an der Schweiz die Bevölkerungszahl. Wir fliegen etwa doppelt so oft wie unsere Nachbarländer.
Die Verantwortung wandert. Nach oben zu den Reichen, nach draussen nach China oder in die USA, zur Seite ins Militär, in die Zukunft zur Politik. Nur nicht dorthin, wo das Flugticket tatsächlich gebucht wird.
Am meisten hängengeblieben ist mir ein Kommentar, der kaum Beachtung fand: „Die Leute vergessen, dass wir für den Rest der Welt die Reichen sind. Normalverdiener in der Schweiz gehören zum 1%.”
36 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind in den letzten zwei Jahren kein einziges Mal privat geflogen. Sie sind der Massstab.
Zur ganzen Kolumne gehts hier: https://tsri.ch/a/neuer-flugrekord-europa-brennt-zuerich-klemmt-zeit-fuer-ein-umdenken-kolumne-thomas-hug-di-lena









