Tempo 30 ist keine Stadt-Land-Frage.

Tempo 30 ist keine Stadt-Land-Frage. Die Frage heisst: bei mir oder beim Nachbarn? Schaffhausen hat das am Sonntag ziemlich anschaulich vorgeführt. 🚗🚦

Die Verkehrsflussinitiative der EDU hätte Tempo 30 auf Hauptstrassen faktisch verboten, 53 Prozent sagten im Kanton Schaffhausen Nein. Auch ohne die Kantonshauptstadt bleiben 50,5 Prozent Nein. Ausgerechnet ein Dorf, das seit ein paar Jahren flächendeckend Tempo 30 kennt, lehnte die Initiative so deutlich ab wie die Stadt. Nach der Abstimmung fiel auf SRF ein Satz: «Man will vor der eigenen Haustür Tempo 30 und im Nachbardorf Tempo 50.» Klingt erstmal nach einem Vorwurf eines schlechten Verlierers.

Tatsächlich halte ich das für eine recht ehrliche Analyse. Wer an der Ortsdurchfahrt wohnt, hat die Lastwagen vor dem Schlafzimmer. Wer durchfährt, ist nach fünf Minuten wieder weg. Das gilt in der Stadt genauso wie im Bauerndorf.

Die NZZ hat das schon 2022 gesehen. In ihrer Umfrage im Kanton Zürich fiel Tempo 30 auf Hauptachsen zwar durch. Aber: Einen Stadt-Land-Graben fand sie nicht. Eine VCS-Umfrage vom letzten Herbst kam schweizweit zum gleichen Befund.

Vor der Abstimmung war ich in Schaffhausen an einem Podium zu diesem Thema organisiert vom VCS Schaffhausen. Seit der Abstimmung frage ich mich wieder einmal, warum in der Verkehrspolitik so gern über Stadt und Land geredet wird. Dabei reden die Leute einfach über ihre Strasse.

Zur NZZ-Umfrage: https://www.nzz.ch/zuerich/nzz-umfrage-in-zuerich-klare-mehrheit-gegen-generell-tempo-30-ld.1718600

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