Wer sich mit Standortmarketing beschäftigt, sollte letzte Woche hellhörig geworden sein – denn das war auch eine Wahl zwischen zwei Modellen. 📑🚉
Hitachi Energy hat entschieden, wo der neue Schweizer Hauptsitz mit 3000 Arbeitsplätzen entsteht. Zur Auswahl standen die Agglo-Gemeinden Wettingen und Otelfingen. Wettingen bot das klassische Standortmarketing-Paket: tiefere Steuern, Campus nach Mass auf der grünen Wiese, naher Autobahn-Anschluss. Otelfingen bot nahezu das Gegenteil davon: ein teilweise denkmalgeschütztes Verteilzentrum, eine S-Bahn-Haltestelle direkt am Areal und ein Grundstück, das bereits in der Industriezone liegt. Otelfingen hat das Rennen für sich entschieden.
Das sollte zu denken geben, denn viele Gemeinden setzen im Standortwettbewerb noch immer auf die alten Hebel: Steuerfuss, Bauland, schnelle Bewilligungen. Hitachi hat anders gerechnet.
🚄 Erschliessung. Firmen konkurrieren um Fachkräfte, und Fachkräfte wollen nicht mehr selbstverständlich mit dem Auto pendeln. Ein Standort, der nur mit dem Auto gut erreichbar ist, ist für einen wachsenden Teil der Arbeitskräfte schlicht unattraktiv. Erschliessung ist damit kein Infrastrukturthema mehr, sondern Personalpolitik. Wettingen hatte eine neue S-Bahn-Station in Aussicht gestellt – aber neue S-Bahn-Stationen fallen nicht vom Himmel. Zudem sendet die Gemeinde seit Jahren gespaltene Signale zur Verlängerung der Limmattalbahn; das reicht nicht.
🪧 Planungssicherheit: In Otelfingen konnte Hitachi mit dem rechnen, was steht: Bestand, Industriezone, etappierbare Umnutzung. In Wettingen hätte Kulturland umgezont werden müssen – mit angekündigtem Widerstand aus der Nachbargemeinde. Wer für Jahrzehnte investiert, kauft keine offenen Verfahren.
Und der Blick nach vorn: Was heute für den Bahnanschluss gilt, dürfte morgen für das Velo gelten. Wo Mitarbeitende sicher und direkt mit dem Velo zur Arbeit kommen, steigt die Attraktivität des Standorts – Städte wie Paris oder Kopenhagen zeigen, wie schnell sich die Erwartungen verschieben.
Gemeinden, die jetzt in Velo-/ÖV-Infrastruktur und attraktive Strassen investieren, bauen den Standortvorteil von morgen.
