Hier ist Vorsicht geboten: Die Pressebeiträge der letzten Woche zu den…

Hier ist Vorsicht geboten: Die Pressebeiträge der letzten Woche zu den steigenden Staustunden sind grösstenteils ungeniessbar. ⚡🚨

Das ASTRA selbst verursachte die breite Berichterstattung mit einer Medienmitteilung. Darin beschreibt sie die zunehmende Überlastung des Autobahnnetzes und die massive Zunahme der Staustunden. Aus diversen Gründen ist das problematisch:

1️⃣ Die Kennzahl der "Staustunden" ist an sich fragwürdig.

ASTRA definiert Staustunden so: Ob ein Stau 5 Autos oder 5000 betrifft, jedes Ereignis zählt gleich. Die Messgrösse Staustunden hat nichts mit Verlustzeiten zu tun. Obwohl die Zahl also keinen Bezug zu Betroffenenzahl oder volkswirtschaftlichem Schaden hat, wird sie trotzdem systematisch als Mass für wirtschaftlichen Schaden verwendet.

2️⃣ Die Ursachenzuteilung ist fraglich.

Stau wird manuell in Überlastung, Unfall oder Baustelle eingeteilt. Wenn es bei einer Baustelle aber nicht zu einem Fahrspurabbau kommt, wird der Stau meistens trotzdem als Überlastung klassiert. Das führt zu einer Überschätzung der Überlastung.

3️⃣ An der Erfassungsmethodik wird dauernd geschraubt.

Staustunden basieren primär auf manuellen Viasuisse-Meldungen, die immer mehr ergänzt werden durch automatisierte Zählstellen. Mehr Sensorik heisst auch mehr entdeckte Staus. Ein Teil des vermeintlichen Rekords entsteht, weil heute genauer hingeschaut wird, ohne dass die Zeitreihe dafür bereinigt wird.

4️⃣ Andere Messwerte widersprechen der massiven Zunahme

Im gleichen Bericht weist ASTRA einen zweiten Indikator aus: den Verkehrszustand, gemessen über feste Zählschleifen. Der liegt 2025 sogar besser als vor 2019. Auch der TomTom Traffic Index zeigt für Genf und Zürich, dass die dortige städtische Stauintensität 2025 unter dem Niveau von 2016 liegt. Zwei unabhängige Messungen zeichnen ein deutlich moderateres Bild als die Staustunden-Schlagzeile.

Trotz all dem: Logistikfirmen nutzen die Staustunden-Zahl direkt als Kostenreferenz für ihre Stauzuschläge. Eine Kennzahl mit derart wackliger Grundlage wird zur Basis für reale Preisaufschläge und in der Politik für milliardenschwere Ausbauentscheide.

❗⏩ Also, liebe Leute: Bevor wir die nächste Autobahnausbau-Debatte mit dieser einen Zahl führen, würde ich mir wünschen, dass zumindest einmal jemand die Fussnoten des ASTRA-Berichts liest. Und dann die tatsächlich relevanten Kennzahlen beizieht, statt dieser ominösen Staustunden-Zahl.

PS: Hier noch Chapeau an SRF, die den Begriff der Staustunden sauber eingeordnet haben.

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