Mit Wasser gegen die Hitzewellen: Grabt die Bäche wieder aus! 🌊
Die meisten Schweizer Städte liegen in Talkesseln, und wo ein Tal ist, fliesst Wasser die Hänge hinab. In den Siedlungsgebieten sieht man davon aber nur noch wenig. Das Wasser liegt im Rohr, und das Rohr liegt in aller Regel unter einer Strasse.
Das hatte seine Logik. Eindolen war billig, man gewann Platz für Fahrbahnen und Parkplätze, und der Unterhalt fiel gleich mit weg. Mit jeder Hitzewelle wird diese Rechnung aber neu aufgemacht: Ist es der Streifen Asphalt über dem Bach heute noch wert?
Kühlung ist dabei nur der offensichtlichste Punkt. Ein offener Bach ist bei Starkregen häufig robuster als ein Rohr, das irgendwann schlicht überläuft. Er nimmt sauberes Hangwasser aus der Mischwasserkanalisation und entlastet damit die Kläranlage. Er ist ein vielfältiger Orte im Quartier, wo Kinder dem Umgang mit Wasser spielerisch lernen können. Und er bringt Arten zurück in die Stadt.
Nur liegt der Bach eben unter der Strasse. Eine Öffnung heisst darum fast immer: weniger Fahrbahn und weniger Parkfelder. Genau deshalb bleiben Bachöffnungen oft stecken, während sich alle einig sind, dass es sie bräuchte. Es fehlt selten am Wasser und selten am Geld. Es fehlt an der Bereitschaft, den Raum darüber herzugeben.
Im Bild unten ein Bach, den wir im Rahmen unserer Arbeit am Masterplan Bahnhof Grenchen Süd zur Öffnung vorgeschlagen haben. Und wer jetzt denkt, in seiner Gemeinde gäbe es nichts zu öffnen: die historischen Karten von Swisstopo könnten da anderes beweisen.
Für Tsüri.ch bin ich in der Verkehrswende-Kolumne auch Mal in die Kartenarchive gestiegen um zu sehen, was in der Limmatstadt noch alles so unter der Erde liegt: https://tsri.ch/a/zuerich-hat-etliche-baeche-ueberbaut-hoechste-zeit-sie-offenzulegen
