Keine neue Erkenntnis: Wir planen für Maschinen statt für Menschen…

Keine neue Erkenntnis: Wir planen für Maschinen statt für Menschen… 🤖

Unsere Modelle kennen keine schlechten Tage. Keine Verlustängste. Kein «das war schon immer so». Die Reichweitenangst ist ein gutes Beispiel dafür, wie rationale Fakten oft wenig gegen irrationale Gefühle helfen.

Modelle kennen nur den Homo oeconomicus: rational, nutzenmaximierend, berechenbar. Dem Homo Oeconomicus ist es egal, ob ein Velostreifen da ist – dem Menschen nicht.

Das Problem: Es gibt diesen Prototyp-Menschen nicht. Und in der Planung geht dies leider oft vergessen. Was mir im Alltag oft begegnet:
➡️ Die Schild-Strasse-Schere: Verkehrsschilder, die nicht zur Gestaltung des Strassenraums passen und entsprechend missachtet werden.
➡️ Veloführungen, die zwar auf dem 2D-Plan logisch erscheinen, in der Realität aber alles andere als intuitiv sind.
➡️ Fusswege, die die Wunschlinien völlig ausser acht lassen.

Ein Beispiel: 59% wollen ein E-Auto mit 400+ km Reichweite. Gleichzeitig fahren 53% unter 25 km am Tag. Absurd? Nein – menschlich. Verlustangst schlägt Statistik.

Ein anderes Beispiel: In Umfragen geben Menschen meist an, viel länger zu stehen, bis sie im ÖV einen Platz einnehmen. Im realen Verhalten setzen sie sich früher, als sie zuvor angeben. Wir können uns also nicht einmal darauf verlassen, dass Menschen in Umfragen ihr Verhalten korrekt reflektieren.

📢 Gute Planung beginnt mit Demut. Mit dem Eingeständnis, dass der Mensch im Verkehr nicht unser Modell-Akteur ist. Sondern jemand mit Gewohnheiten und dem Bedürfnis nach Kontrolle.

Vielleicht sollten wir deshalb öfter fragen: Würde das auch ein Mensch mit schlechtem Tag, wenig Schlaf und leerem Akku so machen? Jemand, der unseren Plan nicht kennt?

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