🚦Das Weidmann-Gutachten ist so solid, wie es sein kann, wenn die Grundlagen so…

🚦Das Weidmann-Gutachten ist so solid, wie es sein kann, wenn die Grundlagen so wackelig sind.

Das ETH-Gutachten von Prof. Weidmann zur Priorisierung von Strassen- und Bahnprojekten ist handwerklich sauber und methodisch so robust, wie es in der Kürze der Zeit nur sein kann. Denn die Grundlagen, worauf es aufbaut, sind entweder veraltet, nicht vorhanden oder äusserst wackelig.

👉 Statt einen Neustart zu fördern scheint der Weidmann-Kompromiss allerdings gerade zum Alibi zu werden, das einen Neustart der Schweizer Verkehrspolitik verhindert.

Was das Gutachten unbeabsichtigt sichtbar macht: Die strukturellen Mängel in der nationalen Verkehrsplanung.

🔴 Strategische Grundlage fehlt: Wir fliegen faktisch blind. Es gibt kein übergeordnetes Bild, wo wir mit dem Verkehrssystem hinwollen – weder im Bezug auf Klima, noch auf Raumplanung oder gesellschaftliche Ziele.

🔴 Bewertungsmethodik übernommen: Die Bewertungskriterien wurden weitgehend entsprechend der Verfügbarkeiten von der Verwaltung übernommen. In dieser kurzen Zeit wäre nichts anderes zu erwarten gewesen. Die Resultate (insbesondere bei den Autobahnen) sind deshalb wenig überraschend.

🔴 Projektliste nicht hinterfragt: Die Projekte wurden nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Es wurde priorisiert, was auf dem Tisch lag – nicht unbedingt, was das Land wirklich braucht. Ein Neustart muss auch hier neu ansetzen.

Ein paar Beispiele, um diese Punkte zu illustrieren:
➡️ Beim Rheintunnel Basel wird mit „stadtplanerischem Potential“ argumentiert, obwohl sich das ASTRA letztes Jahr noch gegen einen Rückbau der Osttangente wehrte – ein klarer Widerspruch. Andere Stadtreparaturen wie Winterthur Ost oder Bern Ost hat Weidmann zugungsten von Kapazitätsausbauten zurückgestellt.

➡️ Die Grenze von politisch und fachlich verschwimmen. Der Grimstelunnel scheint bereits an Regional- und Tourismuspolitik zu grenzen. Zudem sind 3 von 6 Projekten, die vor einem Jahr abgelehnt wurden, nun wieder in der Pipeline (Wankdorf-Schönbühl nur, sofern es finanziell tragbar ist).

➡️ Bei der Bahn werden Projekte grösstenteils ohne Fahrplanlogik betrachtet. Damit fehlt genau die Systemdimension, die den Nutzen der Bahnprojekte erst bestimmt. So sind beim Durchgangsbahnhof Luzern wichtige Zubringerprojekte zurückgestellt.

📌 Mein Fazit: Das Gutachten ist ein wertvoller Zwischenhalt. Es sortiert Projekte, schafft Überblick, liefert Argumente. Aber es ersetzt keine echte nationale Verkehrsstrategie.

Was sind eure Erkenntnisse aus dem Gutachten? Neustart oder Alibi-Übung?

Meine Meinung: Wir brauchen endlich einen verbindlichen Rahmen, der Klimaziele, Raumplanung und Mobilität integriert – und der nicht bloss bestehende Projektlisten sortiert, sondern die richtigen Projekte definiert.

← Zurück zum Blog