Ein ÖV, der Fahrgäste gewinnen will, darf sie nicht systematisch verprellen. 🚄
Die aktuelle Logik ist einfach: Kein gültiges Ticket, Busse, Registereintrag. Unabhängig davon, ob jemand seit Jahren täglich mit dem Zug fährt oder zum ersten Mal. Unabhängig davon, ob ein Fehler passiert ist oder Absicht dahinterstand. Das System kennt keinen Unterschied – und genau das ist das Problem.
Fehler passieren. Ein gutes System macht sie korrigierbar, ohne dass man wissen muss, bei welcher Hotline man wie hartnäckig verhandeln soll. Die öffentliche Blossstellung im Zug, der Registereintrag beim ersten Vergehen – das sind keine verhältnismässigen Reaktionen auf ein zu spätes Einchecken oder falscher Name auf dem Ticket. Sie sind Abschreckung, wo Korrektur reichen würde.
Das trifft vor allem diejenigen, die den ÖV selten nutzen. Also genau jene, die als neue Fahrgäste gewonnen werden sollen. Wer einmal unverhältnismässig gebüsst wird, fährt beim nächsten Mal vielleicht wieder Auto. Das Bundesamt für Verkehr hat das erkannt und öffentlich eine Lockerung gefordert. Die Ombudsstelle öV schreibt es seit Jahren in ihre Jahresberichte. Doch die Branche hat sich durchgesetzt und die Zahl der Bussen stieg 2024 auf über eine Million.
Stattdessen sollte das Bussensystem refomiert werden – beispielsweise in dem man die Bussgelder zurückerhält, wenn man lange genug korrekt gefahren ist. Das ist ein positiver Anreiz, der auch verhaltensökonomisch besser wirkt als eine Busse.
Das heutige System maximiert die Einnahmen durch Bussgelder. Das ist nicht im Sinne eines starken ÖVs.
