Filme über das Auto sind meistens entweder verliebt ins Fahren oder verhaftet im Alarmismus. «Der automobile Mensch» ist da anders.
Vielleicht liegt das daran, dass der Autor (Reinhard Seiss) Stadtplaner ist. Er interessiert sich weniger für Technik als für Raum: was das Auto mit Siedlungen, Strassen und dem Alltag der Menschen gemacht hat.
Der Film zeigt, was unbeabsichtigt entstanden ist: Dorfkerne, die sich entleert haben. Strassen, über die niemand mehr geht. Wege, die so lang wurden, dass man gar nicht mehr auf die Idee kommt, sie zu Fuss zurückzulegen. Keine dieser Entwicklungen hat jemand so geplant – sie sind das kollektive Ergebnis von Millionen Einzelentscheidungen, die jede für sich vernünftig wirkten.
Das alles wird nüchtern erzählt, ohne Fachjargon und mit treffender Sprache ("Der Gehsteig ist die Rumpelkammer der Verkehrsplanung"). Bilder, die man kennt. Orte, die aussehen wie überall. Dass die Schweiz als Vergleichsfall etwas zu gut wegkommt, sei verziehen – auch wenn man sich fragt, ob Mineralwassertransport aus den Alpen wirklich als Erfolgsmodell taugt, auch wenn er per Bahn erfolgt.
Auf dem Podium vom Best-of-Films for Future blieb am Ende eine Frage hängen, die der Film stellt, aber nicht beantwortet: Wenn wir das alles wissen und die Alternativen funktionieren – warum planen wir immer noch hauptsächlich für das Auto?
Danke für die Einladung Annette Junker und die Moderation Jean-Gé Carrey! Ich bin gespannt auf die Filmauswahl beim Festival im November.
Foto: Anna Kropf (die Angewohntheit, Fotos von sich hier zu posten, finde ich grundsätzlich eher mässig. Aber wenn eine Fotografin die guten Schnappschüsse erwischt, weiche ich gerne auch Mal von dieser Haltung ab.)
