Was wir von der Wahl in Paris mitnehmen können: Die lauten Stimmen entsprechen…

Was wir von der Wahl in Paris mitnehmen können: Die lauten Stimmen entsprechen nicht unbedingt der Mehrheit.

Hidalgos Nachfolger feierte seinen Wahlsieg auf einem Vélib'. Das sagt mehr als jede Umfrage. Wer in den letzten Jahren die Debatte rund um die Pariser Verkehrspolitik verfolgt hat, hätte diesen Ausgang kaum erwartet – die Kritik war laut, die Empörung dauerhaft präsent.

Dabei ist die Transformation der Stadt im Alltag der Pariser:innen längst angekommen: Das Radwegenetz umfasste einst rund 200 Kilometer, heute sind es über 1000. Der Anteil des Fahrrads am Modal Split stieg von drei auf über elf Prozent. Die Nutzung der Radwege nahm zwischen 2020 und 2024 um 34 Prozent zu; auf den beliebtesten Routen fahren bis zu 14'000 Menschen Velo pro Tag. Die Veränderung ist real – sie war nur selten laut.

Was dabei psychologisch wirkt, hat einen Namen: pluralistische Ignoranz. Wer die neue Infrastruktur schätzt, nimmt an, damit in der Minderheit zu sein – weil die Gegenstimmen so präsent sind. Also schweigt man. Wer einen Parkplatz verliert, organisiert sich und gibt Interviews. Diese Asymmetrie erzeugt den Eindruck, eine Politik sei gescheitert, obwohl die Mehrheit sie trägt. Auch bei uns ist dieses Phänomen sehr präsent.

Daraus folgt keine Lektion über Kommunikation, sondern über Haltung: Klare Politik kann Erfolg haben. Nicht trotz Widerstand, sondern weil man ihn aushält, ohne den Kurs zu brechen.

PS: Selbst nach dem Wahlsieg von Grégoire schreiben die Medien davon, dass Hidalgo in Paris nicht beliebt sei. Really?

← Zurück zum Blog