Zürich hat abgestimmt – weshalb ich für einmal nicht so richtig in den…

Zürich hat abgestimmt – weshalb ich für einmal nicht so richtig in den Lobgesang des 365-Franken-Abos einstimmen mag… 🚃

Das 365-Franken-Jahresabo kommt, das hat die Zürcher Stimmbevölkerung deutlich beschlossen. Während viele jubeln, erlaube ich mir eine kritische Betrachtung. Pauschale ÖV-Vergünstigungen sind populär – aber sind sie in Zürich wirklich das richtige Instrument? Warum meine Begeisterung sich in Grenzen hält:

1️⃣ Die Agglomeration, wo ein Grossteil des Autoverkehrs in der Stadt entsteht, ist nicht in die Massnahme eingebunden (deshalb ist dies bspw. nicht mit dem Deutschland-Ticket vergleichbar). Die vergünstigten Tickets werden auch nur für die Einwohner:innen der Stadt verfügbar sein.
2️⃣ Zürich hat einen ÖV-Anteil von über 40% – eine schweizweit beachtliche Quote, Verlagerungseffekte werden primär vom Fuss- und Veloverkehr kommen.
3️⃣ Rund 40% der Bevölkerung besitzt bereits ein ÖV-Abo – die Zielgruppe ist also schon gut erschlossen; als sozialpolitische Massnahme schliesst das Abo aber trotzdem zu viele Menschen aus.
4️⃣ Durch die Finanzierung (rund 120-180 Millionen CHF pro Jahr) darf es nicht zu Lücken im Ausbau der Infrastruktur kommen; das wäre ein Boomerang, der dem ÖV im Endeffekt schadet.

Wo ich pauschale Vergünstigungen durchaus sinnvoll finde:
✅ Bei unterausgelasteten Linien und in Randzeiten
✅ gezielt für junge Zielgruppen, die ihre Mobilitätsmuster noch entwickeln ✅ in Agglomerationsgemeinden mit hohem Autoanteil, wo ein Verlagerungspotenzial besteht.
✅ bei Streckentickets um die Eintrittshürden zu reduzieren

Hier vermischen sich zwei legitime, aber unterschiedliche Politikziele: Verkehrs- und Sozialpolitik. Sozialpolitisch ist das 365-Franken-Abo durchaus sinnvoll – es entlastet Haushalte finanziell. Aber: Die Entlastung würde effizienter pauschal betrieben ohne Umweg über den ÖV – so könnte dieser auch von der Übernachfrage geschützt werden.

❓ Wie schätzt ihr das ein? Ist billiger generell besser?

Am Ende ist billiger ÖV wie ein Energy-Drink: Der Kick ist real, aber der schale Nachgeschmack hält länger an – so habe ich es in der Kolumne bei Tsüri.ch formuliert. Mehr dazu: https://lnkd.in/esBgAdru
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